Generation 60plus gibt den Ton an!

Die grösste Gruppe an Freiwilligen stellt die Altersgruppe der über 60jährigen. Diese Generation ist für Organisationen Herausforderung und Bereicherung zugleich. Um den Wünschen und Motiven der Generation "60plus" auf die Spur zu kommen, widmeten die benevol-Stellen der Kantone Aargau und Solothurn das 4. BENEVOL Forum den Babyboomers. Unter dem Titel "60plus - was können, was wollen, was brauchen wir?" unterstützten sie so ihre Mitgliedsorganisationen in der Arbeit mit den Freiwilligen dieser Generation. 

Sie wollen etwas bewegen, Gutes tun, der Gesellschaft etwas von ihrem Glück zurückgeben, sich weiterentwickeln, Sozialkontakte pflegen - kurzgesagt: Über 60jährige wollen weiterhin an der Gesellschaft Anteil nehmen, auch nach der Pensionierung. Doch weisen sie neue Bedürfnisse, Erfahrungen und Kompetenzen auf.

Deshalb sind nun ausreichende Informationen und Angebote nötig, damit die zukünftige Altersgruppe der über 60jährigen neue Rollen und soziale Bindungen findet. Die Identität, die ihnen die Berufstätigkeit gab, muss in neuen Lebensentwürfen und anderen sozialen Verankerungen gefunden werden - wie zum Beispiel in passenden freiwilligen Engagements.

Eigensinn und Kreativität

Die jetzige, aber auch zukünftige Generationen über 60 haben ihre ganz eigenen Vorstellungen und Wünsche an ein Engagement. Sie wollen sich mit eigenen Ideen in die angebotenen freiwilligen Einsätze einbringen. Dr. Stefan Güntert, Referent am 4. BENEVOL Forum und Mitautor des Buches „Psychologie der Freiwilligenarbeit - Motivation, Gestaltung und Organisation“, erzählte von seiner Begegnung mit einer Freiwilligen-Koordinatorin, die ihm sagte: „Wenn ich mich für eine Organisation engagiere, dann mute ich mich ihnen zu.“

Wie gehen also Organisationen mit den „neuen“ Freiwilligen um, für die Selbstbestimmung und Mitwirkung so wichtig sind? Die Teilnehmenden des Forums, vorwiegend Verantwortliche für Freiwillige aus unterschiedlichsten Organisationen, lauschten gebannt den Ausführungen von Dr. Güntert.

Strukturen überdenken

Dass Organisationen ihre Strukturen überdenken sollten und diese auf die neue Generation 60 plus anpassen, darüber war man sich einig. „Als Arbeitspsychologe weiss ich, dass nicht nur Festangestellte spannende und abwechslungsreiche Aufgaben brauchen, um motiviert zu bleiben, sondern auch Freiwillige“, führte Güntert aus. Es liege nun an den Organisationen, die Aufgaben, die sie für ihre Freiwilligen haben, neu zu überdenken und zu erweitern, damit für die Engagierten mehr Spielraum bleibe.

Die Ganzheitlichkeit spielt eine grosse Rolle. Diese Generation will weg von der Fliessbandarbeit hin zu anspruchsvollen Aufgaben. Sie wollen Projekte von Anfang bis Ende begleiten und fordern ein Mitspracherecht.“ Die Aufgabe soll von Bedeutung sein und Rückmeldung beziehungsweise Wirkung erzeugen. „Zudem definiert sich diese Generation über das Berufsfeld, aus dem sie kommt. Man möchte sich einerseits in die Gesellschaft einbringen, identifiziert sich aber noch immer stark mit dem Berufsleben.“ Deshalb wäre es schön, wenn Organisationen ihren Freiwilligen vertiefte Identifikation ermöglichen, um sie langfristig halten zu können.

Ohne Druck gehts am besten

Was die Motivation für ein Engagement nicht fördert, ist Druck von aussen. Wer zum Beispiel mehrere Jahre in einem Verein mitwirkt, steht möglicherweise unter dem Druck, sich für ein bestimmtes Amt zur Verfügung zu stellen - auch wenn die Person das im Grunde genommen gar nicht möchte. Doch: „Das zerstört langfristig die Motivation“, erklärte der Fachmann.

Ob die Generation 60plus dank Freiwilligenarbeit länger gesünder bleibt, das konnte und wollte Güntert nicht beantworten. „Wer seinen Job verliert oder nicht mit der freien Zeiteinteilung nach der Pensionierung klar kommt, dem helfen die Strukturen, die einem Freiwilligenarbeit gibt, sehr wahrscheinlich schon. Man wird gebraucht. Wer aber bereits gesund und glücklich ist, den macht Freiwilligenarbeit sicher nicht noch gesünder.“