Freiwillige im Einsatz

Rolf Geiser erzählt, wie er die Wahl "Helden des Alltags" empfand. (Bild: SRF / Oscar Alessio)

Auch ohne Sieg ein Erfolg

Rolf Geiser aus Aarau engagiert sich ehrenamtlich für das "projektbbb - Asyl mit Bildung, Begegnung und Beschäftigung". Im Januar war er zum "Helden des Alltags" nominiert.

Grüezi Herr Geiser. Bei der Kür zum „Helden des Alltags“ gab es dieses Jahr zwei Gewinnerinnen: Esther Schönmann und Tanja Reusser. Waren Sie enttäuscht darüber, dass die Wahl so ausging?

Nein, das war kein Problem für mich. Ich gönnte es insbesondere Esther Schönmann. Es ist schön, dass sie für ihre „Gassechuchi Langenthal“ endlich Anerkennung in der Öffentlichkeit gefunden hat. Wir kennen uns von früher. Vor meiner Pensionierung, als ich in Langenthal ein Begegnungszentrum des Schweizerischen Arbeitershilfswerks leitete, benutzte sie hin und wieder mit ihren Schützlingen unsere Räumlichkeiten. Dort entstanden übrigens auch viele Ideen, die zum «projektbbb» führten, also zu meiner heutigen, ehrenamtlichen Beschäftigung unter dem Dach des Netzwerks Asyl.

Sie waren für Ihren passionierten Einsatz für Asylsuchende als „Held“ nominiert. Werden Sie noch darauf angesprochen?

Ich muss ehrlich gestehen, dass es mich doch ein bisschen erstaunt, wie schnell der ganze Medienrummel wieder vorbei war. Ich hoffte, es würde mehr nachschwingen, aber wer weiss, vielleicht kommt da ja noch mehr. Die Nomination half auf jeden Fall dabei, die Bekanntheit des «projektbbb» zu steigern. Es dürften nun für uns einige Türen einfacher aufgehen. Für mögliche Geldgeber, die wir natürlich immer nötig haben, sind wir interessanter geworden. Zudem meldeten sich einige Interessierte, die gerne freiwillig mithelfen möchten. Wertvoll ist auch, dass sich die Stadtpräsidentin von Aarau, Jolanda Urech, in der Öffentlichkeit für das «projektbbb» aussprach und sogar die Preisverleihung besuchte. Das bedeutete zugleich der Gruppe von Asylsuchenden, die mich ins Studio begleitete, sehr viel.

Wie empfanden Sie persönlich die Wahl zum „Helden des Alltags“?

Die „Streicheleinheiten“ im Vorfeld der Wahl schmeichelten mir natürlich schon. Aber ich denke, die Anerkennung galt vor allem dem sorgfältig aufgebauten, neuartigen Projekt, das Asylsuchende Samstag für Samstag – begleitet von weiteren Freiwilligen – mit der Welt, in der sie heute leben, in Kontakt bringt. In der Freiwilligenarbeit muss man mit solchen Auszeichnungen enorm vorsichtig sein. Ganz viele Menschen engagieren sich mit Herzblut für einen guten Zweck. Gerade auch im „projektbb“ und im Asyltreff „Contact Aarau“ arbeiten noch viele weitere Freiwillige mit. Es ist heikel, feststellen zu wollen, wer unter ihnen da den Titel „Held des Alltags“ mehr verdient als andere. Es wäre meines Erachtens nicht nötig gewesen, die drei im Finale stehenden Personen noch gegeneinander antreten zu lassen. Offenbar brauchen die Medien aber diesen „Wettkampf“ um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das wertvolle, aber im Grunde genommen selbstverständliche Engagement der Freiwilligen lenken zu können.

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Im Projekt bbb realisieren Freiwillige jeden Samstagnachmittag eine Veranstaltung für Asylsuchende, um ihnen Einblicke in die schweizerische Kultur und Lebensweisen zu vermitteln und ihnen den Zugang zu ihrer neuen Umgebung zu erleichtern. Wer sich näher dafür interessiert, meldet sich bei rolf.geiser@netzwerkasyl.ch, Telefon 062 844 39 07.

Interview aus unseren Zeitschrift für Freiwilligenarbeit im Aargau, den "BENEVOL Nachrichten". Sie finden sie hier: Die 5. Ausgabe zum 5. Geburtstag.