Die Freiwilligenarbeit ist im Reusspark eine Herzensangelegenheit

Die Freiwilligenarbeit ist im Reusspark eine Herzensangelegenheit. Wenn Gedächtnis, Motorik und Sprache nachlassen, sind nebst Angestellten auch Freiwillige für die demenzbetroffenen Bewohner des Reussparks da. Gefordert ist dabei viel Einfühlungsvermögen und Geduld. 

Rund 250 Freiwillige engagieren sich im Reusspark. Sie sind eine wertvolle Stütze im Alltag des Pflegepersonals. Entsprechend ist die Freiwilligenarbeit in der Organisation tief verankert, so auch auf den Wohnbereichen für demente Bewohner. Die Bedeutung der Freiwilligenarbeit im Reusspark zeigt sich auch beim Interview: Sechs Personen nehmen am Gespräch teil. Schnell wird klar: Im Reusspark hat die Freiwilligenarbeit nicht nur einen grossen Stellenwert, sie ist seit Jahrzehnten professionell geführt und für die Geschäftsleitung und die Mitarbeitenden eine Herzensangelegenheit. „Die Freiwilligen beleben den Reusspark“, bringt es Monika Steger, Aktivierungsverantwortliche, auf den Punkt. Und der nächste Satz überrascht nicht: „Wenn ich pensioniert bin, möchte auch ich mich im Reusspark freiwillig engagieren.“

Wenn es rasant abwärts geht

Das Sozialdienstteam im Reusspark ist für die Freiwilligen zuständig und begleitet sie. „Eine sorgfältige Einführung ist uns sehr wichtig. Da merken wir, ob sich jemand gut eignet für die Arbeit mit dementen Personen“, meint Christine Roth, Mitarbeiterin des Sozialdienstes. Grundsätzlich gelte für alle Freiwilligen, dass sie einfühlsam und belastbar sein sollten. Im Umgang mit dementen Bewohnerinnen müsse man sehr geduldig sein und vor allem nichts erzwingen wollen. „Die Freiwilligen kommen am besten ohne Erwartungen zum Einsatz, denn jeder Einsatz ist anders.“ Susanne Baumgartner, Wohnbereichsleiterin, ergänzt: „Am meisten Schwierigkeiten haben Freiwillige, wenn sich eine demente Person innert kurzer Zeit stark verändert. Dann ist es wichtig, dass wir als Fachpersonal den Freiwilligen die medizinische Sicht aufzeigen. So verstehen sie die dementen Bewohner besser und können auf sie eingehen.“ Neben diesen Erklärungen erhalten die Freiwilligen auch Tipps zur Kommunikation mit Demenzbetroffenen, die als besonders verletzliche Personen gelten. Manche von ihnen können nicht mehr sagen, was sie möchten oder haben Mühe mit der Orientierung. Wenn die Sprache dann fast oder ganz verloren ist, sollten die Freiwilligen nicht mit ihnen verstummen, sondern kommentieren, was sie gerade tun oder erzählen, was in der Welt geschieht. Kurze Sätze, die passende Wortwahl und Gelassenheit, sind für Demenzbetroffene unterstützend.

Sorgfältige Führung von Freiwilligen

„Die Freiwilligen brauchen Leitlinien, sonst kann es vorkommen, dass sie überengagiert und eigeninitiativ handeln“, sagt Susanne Baumgartner. Einmal machte eine Freiwillige einen unangemeldeten, nicht mit dem Fachpersonal abgesprochenen Einsatz. Sie ging mit einer Bewohnerin spazieren. Es war gut gemeint. Als das Fachpersonal feststellte, dass die Bewohnerin verschwunden war, suchte es mit Hochdruck nach ihr. Bei solchen Vorfällen, die jedoch sehr selten vorkommen, wird das Gespräch gesucht. „Wir zeigen den Freiwilligen dann behutsam die Rahmenbedingungen auf, die für sie gelten“, erklärt Christiane Della Pietra, die ebenfalls im Sozialdienst tätig ist.

Der Duft von frischen Himbeeren

Der Reusspark liegt an idyllischer Lage mitten im Grünen und direkt an der Reuss. Einzigartig ist der abgegrenzte, naturnahe Spaziergarten, der den Demenzbetroffenen und den Betreuenden vorbehalten ist. Dieser ist gleichzeitig auch ein Obst- und Kräutergarten. Dabei werden Sehen, Fühlen, Hören, Riechen und Schmecken aktiviert. Zudem erhalten die dementen Bewohnerinnen die Gelegenheit, ihren Bewegungsdrang auszuleben. Ein Team von Freiwilligen engagiert sich von April bis Oktober ausschliesslich für Bewohner, die dieses Angebot nutzen. Gemeinsam und durch Anregung der Freiwilligen pflückt und isst man reife Beeren vom Strauch oder macht einen Ausflug zum Kräuterhochbeet, wo das Wachstum der verschiedenen Pflanzen auf bequemer Höhe verfolgt werden kann. „Am liebsten spazieren die Bewohnerinnen mit den Freiwilligen den barrierefreien Rundwegen entlang“, fasst Christine Roth zusammen. „Alle diese Aktivitäten wären ohne die Freiwilligen nicht umsetzbar. Die Freiwilligen sind für unsere Arbeit unersetzlich. Ohne sie gäbe es den Reusspark mit all seinen Angeboten in dieser Form nicht.“

Quelle: Interview mit Christine Roth (Sozialdienst), Christiane Della Pietra (Sozialdienst), Susanne Baumgartner (Wohnbereichsleiterin), Monika Steger (Aktivierungsverantwortliche), Caroline Schneider (Leiterin Kommunikation), alle Reusspark

Bild: Felix Wey, Reusspark

Hier geht es zur vollständige Ausgabe von benevol Nachrichten.

Der Reusspark sucht Freiwillige! Interessiert? Dann melden Sie sich hier.