Die Arbeit mit ‹meiner› Familie gibt mir viel

Lange schon war der Wunsch in mir gewachsen, sinnstiftend tätig zu sein. Ich hatte in den letzten Jahren mein bisheriges Leben umgestellt und mir damit die Möglichkeit geschaffen, Zeit und Energie freizusetzen, um diesen Wunsch in die Wirklichkeit umzusetzen. Erwartungen hatte ich keine. Ich dachte und denke immer noch, man muss sich auf die jeweilige Situation einlassen und eigene Erwartungen hintenanstellen. Ich habe nur den Anspruch, meine Begleitung so gut zu machen, dass ich den Menschen, mit denen ich zu tun habe, etwas von ihrer Last abnehmen, ihnen vielleicht etwas Erleichterung und Zuversicht mitgeben kann. Mein erstes Erlebnis mit dem Tod eines Kindes hatte ich mit zwanzig. Meine Nichte verstarb im Alter von 18 Monaten. Seither habe ich mich mit dem Thema Sterben und Tod auseinandergesetzt. Dabei habe ich gelernt, Dinge, die ich nicht ändern kann, zu akzeptieren. Das «Gute im Schlechten» zu sehen oder doch zumindest einen guten Moment zu erkennen und mir die Hoffnung auf weitere zu bewahren. Auf pro pallium aufmerksam geworden bin ich durch einen Zufall. Als ich mich vor zwei Jahren nach einer sinnstiftenden, freiwilligen Tätigkeit umzusehen begann, stolperte ich an einem Samstagsmarkt in meiner Wohngemeinde Riehen über einen Stand der GGG, der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige, die in Basel unter anderem Freiwilligenarbeit anbietet und vermittelt. Durch die GGG bin ich zu pro pallium gekommen. Der Funke ist gleich beim ersten Kontakt übergesprungen und nicht wieder erloschen. Die Arbeit mit «meiner» Familie gibt mir viel. Das Beste daran ist, dass ich etwas an die Gesellschaft zurückgeben kann, indem ich Menschen begleite, denen mein Einsatz einen unmittelbar erlebbaren Nutzen bringt und wo ich erst noch bei jeder Begegnung etwas für mich lerne. Bei der Familie Akunda mit Mutter Belle und Vater Edgar sind gleich zwei der drei Kinder von einer lebenslimitierenden Krankheit betroffen. Tochter Samarie ist gesund, die beiden Söhne Bruno und Dieudonné sitzen im Rollstuhl. Deshalb sind wir von pro pallium aus auch zu zweit im Einsatz, Monika Christen und ich. Es ist bewundernswert und vorbildlich, wie selbstverständlich und positiv die Eltern mit der Situation umgehen. Und es ist bereichernd, dass wir etwas dazu beitragen dürfen, damit das möglichst lange so bleiben kann. Roger Berger