Im Einsatz

"Ich liebe es, zu unterrichten!"

Eva-Maria Erne hilft unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA), Deutsch zu lernen.

«Manchmal geht’s hier wirklich zu wie im Kindergarten!» Eva-Maria Erne ist versucht, sich aufzuregen, aber sie kann das gar nicht so ernst sagen wie sie gerne würde. Wie so oft an diesem Montagnachmittag umspielt ein Lächeln ihre Mundwinkel und ihre Augen blitzen schalkhaft hinter den Brillengläsern hervor.

Die Personen, die sie hier im Silo 2 in Aarau unterrichtet, sind dem Kindesalter zwar bereits entwachsen, aber dennoch erst auf dem Weg ins Erwachsensein: Sogenannte UMAs, unbegleitete minderjährige Asylsuchende, die zwischen 16 und 18 Jahre alt sind. Sie gingen alleine weite Wege bis sie hier in der Schweiz gelandet sind und nun auf Asyl hoffen. Es sind vorwiegend Menschen aus Syrien, Afghanistan und ganz viele aus Eritrea.

Eva-Maria Erne wollte sich explizit für UMAs einsetzen. Als pensionierte Lehrerin für Fremdsprachige war klar, dass sie ihnen Deutsch beibringen wollte. So meldete sie sich direkt beim Netzwerk Asyl als sie von deren „Projekt UMA – Leben und Lernen“ erfuhr. Seit dessen Beginn unterrichtet sie von Montag bis Mittwoch einige Stunden täglich. «Auch mein Mann engagiert sich. Er betreut eine Familie aus Sri Lanka. So bringen wir alles von Montag bis Mittwoch hinter uns und dann geniessen wir den Rest der Woche zusammen», erklärt sie ihr Modell, das für sie beide am besten funktioniert.

Trotzdem will sie in näherer Zukunft etwas hinunterfahren mit ihrem Engagement beim Netzwerk Asyl. In den letzten acht Jahren begleitete sie auch eine eritreische Mutter und ihre fünf Kinder: „Die sind zwar aus dem Gröbsten raus, aber trotzdem bin ich noch für sie da und stehe beratend zur Seite“. Die heitere Frau Erne ist stolz auf dieses Engagement und kaum zu stoppen bei ihren Erzählungen: «Ich unterstützte den ältesten Sohn bei der Suche nach einer Lehrstelle als Automechaniker. Er hatte mit 14 keinen einfachen Start hier in der Schweiz. Doch er ist zielstrebig seinen Weg gegangen und hat inzwischen die Ausbildung zum Automechaniker begonnen».

Seine Geschichte nutzt sie auch als Motivation für ihre Schüler im Silo 2: «Ich will, dass sie sich ebenso anstrengen!“ sagt sie energisch und schiebt nach: „Und sie sollen sauber, pünktlich und anständig sein. Ich möchte ihnen unsere Werte vermitteln. Vielen von ihnen muss ich aber zuerst noch das Lernen beibringen. Das ist etwas, das können einige nicht.»

Sie geht so in ihrer Aufgabe auf, dass sie gar nicht dazu kommt, über ihre Kinder und Enkel und ihre Leidenschaft für Gartenarbeit zu sprechen. «Ich liebe es, Schule zu geben», schwärmt sie, wenn auch heutzutage mit einem kleinen Wermutstropfen: «Das einzige Problem ist, dass ich jetzt mit 73 einiges ungeduldiger bin als damals noch mit 30». Dass sie keine enge Beziehung mit ihren Schülern aufbauen kann, stört sie nicht gross. «Die einzelnen Geschichten kennt nur der Leiter hier. Ich nehme sie, wie sie kommen». Sie legt mehr Wert darauf, herauszufinden, wie den Schülern der Stoff am besten beigebracht wird und wie die Klassen eingeteilt werden sollen. Sie will einen Leitfaden erstellen und zielgerichtete Arbeitsblätter erschaffen, so wie sie es schon ihr ganzes Leben als Deutschlehrerin gerne getan habe. Ganz nach ihrem Leitspruch: «Für die Schwächeren müssen es die die engagiertesten Lehrpersonen sein».

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Verein Netzwerk Asyl

«Nachdem Ende 2014 bekannt wurde, dass unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMAs) im Aargau ohne besondere Betreuung und Tagesstruktur leben und der Kanton aus finanziellen Gründen keine Sofortmassnahmen trifft, war klar: Hier muss etwas geschehen. So beschloss der Vorstand des Vereins Netzwerk Asyl Aargau, ein Projekt für unbegleitete minderjährige Asylsuchende und Heranwachsende durchzuführen. Das Team der Freiwilligen wurde rekrutiert und koordiniert – in Personalstärke eines grösseren Kleinbetriebes.»

Quelle: Webseite Netzwerk Asyl Aargau: www.netzwerkasyl.ch
Kontakt: «Projekt UMA-leben und lernen», Telefon 062 824 31 42, projekt.uma@remove-this.bluewin.ch