Freiwillige im Einsatz

Wo Jugendliche mitreden und mitgestalten können

Die Aargauer Jugendmusik Oberes Fricktal zieht aktiv und vorbildlich Jugendliche mit ins Vereinsgeschehen mit ein  - Präsidentin ist Michèle Peter. 

Im Freiwilligenmonitor 2016 stand es schwarz auf weiss: Das freiwillige formelle Engagement von Jugendlichen geht schweizweit zurück. Einer der Gründe seien unattraktive Beteiligungsformen. Jugendliche wollen mitreden und mitgestalten – das ist aber nicht überall möglich.

Um Vereinen unter die Arme zu greifen und ihnen verschiedenste Partizipationsmöglichkeiten für Jugendliche aufzuzeigen, erarbeitet Plan International Schweiz einen Leitfaden – in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV). Ab Mitte 2018 sollen Vereine damit theoretische Unterstützung zur Schaffung von geeigneten Beteiligungsformen für Jugendliche erhalten.

Der Verein Jugendmusik Oberes Fricktal beweist, dass sich Jugendliche sogar gerne ehrenamtlich engagieren - wenn man sie lässt. Präsidentin Michèle Peter klärt auf: „Wir haben zwei jugendliche Vertreter im Vorstand des Vereins. Einer davon ist auch Präsident der Musikkommission, die ebenfalls nur aus Jugendlichen besteht - und aus dem Dirigenten. Sie organisieren gesellige Anlässe, suchen sich aus, welche Stücke sie spielen möchten, verwalten Absenzen, und noch vieles mehr.“

Alle zwei Jahre findet zudem ein Lager statt, oder auch einmal ein Probeweekend, und da seien sie und die anderen Vorstandsmitglieder froh, wenn die Ideen dazu von den Jugendlichen kämen. „Sie zeigen viel Eigeninitiative und bringen sich gerne ein“, schwärmt sie. Um die Bedürfnisse der Jugendlichen abzuholen, führen sie Gruppenarbeiten oder ein World Café in kleiner Form durch. „Ich sag immer, es ist nicht mein Verein und es ist auch nicht der Verein des Dirigenten, es ist der Verein der Jugendlichen“, sagt Michèle Peter. „Für sie muss es stimmen. Wir vom Vorstand schauen einfach, dass es mit dem Geld klappt, übernehmen organisatorische Aufgaben oder sind in Kontakt mit Gemeinden und Behörden.“ Sie hält kurz inne, um sogleich zu ergänzen: „Aber auch hier beziehen wir die Jugendlichen mit ein. Sei es ein schwieriges Gespräch oder zu Finanziellem, wir fragen immer, ob jemand gerne mit dabei wäre. Es ist uns wichtig, den Jugendlichen möglichst viel Raum zu geben. Sie sollen erzählen und sich einbringen. Ja, sie sollen zeigen, was sie können.“

Wenn es bei den Jugendlichen auf das Ende der Lehre oder Kantonsschule zugeht, ist es Zeit für die Stabsübergabe. Dann müssen vereinsintern Nachfolgerinnen oder Nachfolger gefunden und in die Aufgaben eingeführt werden. Nicht immer fänden sie auf Anhieb jemanden: „Einige trauen sich das noch nicht zu oder möchten es nicht alleine machen. Dann besetzen wir so ein Ämtli auch doppelt. Das ist eine Verstärkung für sie.“ Für Michèle Peter ist das alles selbstverständlich, ist sie doch in diesem Verein aufgewachsen, den sie nun seit bald fünf Jahren präsidiert. „Ich konnte hier schon immer mitschwatzen und mich einbringen.“

Zusätzlich ist sie Präsidentin der Jugendmusik Aargau - und arbeitet Vollzeit. Sie investiert viele Stunden und Herzblut in ihre nebenberuflichen Tätigkeiten. Nachdem sie sich über „WIR REDEN MIT!“ informiert hatte, war ziemlich schnell klar, dass die JMOF als Best Practice-Beispiel fungieren würde. „Ich möchte aber auch sehr gerne wissen, welche Partizipationsmöglichkeiten es für Jugendliche sonst noch gibt. Also beschlossen wir, beim Leitfaden mitzuwirken.“ Natürlich nicht bevor sie die Jungen in ihrem Verein gefragt hatten, ob sie das auch in Ordnung fänden. So geht aktive Partizipation.

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