Freiwillige im Einsatz

Freiwilligenarbeit statt Heimweh

Seit 1988 ist die Bürstenfabrik Walther Geschichte. Damit sie nicht in Vergessenheit gerät, hält sie das Industriemuseum Oberentfelden am Leben. Ruth Huwiler-Leu ist eine von zwei Freiwilligen, die Präsident Christian Heilmann im Industriemuseum Oberentfelden unterstützen.

Alle möglichen Arten von Bürsten sind hier im kalten Estrich ausgestellt, von der kleinen Zahnbürste bis zur künstlichen Skipiste mit Borsten und Skilift. Auf weissen Backsteinwänden leuchten alte Werbeplakate, über kleine Flachbildschirme flimmern frühere Werbefilme. Wer etwas über das Industriegelände und über die Entstehung und Geschichte der Fabrik und Gebäude lernen möchte, ist hier am richtigen Ort.

Präsident des Industriemuseums ist Christian Heilmann, seines Zeichens nebenamtlicher Gemeindearchivar von Oberentfelden. Vor fünf Jahren richtete er mit Unterstützung von weiteren Freiwilligen den Estrich des Hauses B1 in der weitläufigen Genossenschaft „Bürsti“ liebevoll ein. Da wo ohnehin die übriggebliebenen Dinge aus früheren Zeiten gelagert waren – kreuz und quer.

Von Beginn weg dabei war Kassierin Ruth Huwiler-Leu. Sie kennt die Arbeit in der Bürstenfabrik aus eigener Erfahrung: „Hier habe ich meine kaufmännische Lehre absolviert - und auch mein Vater und mein Bruder arbeiteten für die Bürstenfabrik“, erzählt sie während sie nach einer geeigneten Steckdose für das Kabel der mobilen Heizung sucht. „Unsere Museumssaison beginnt immer erst mit der ‚Open Bürsti‘. Vorher ist es einfach zu kalt hier oben“, sagt sie fast schon entschuldigend.

Die „Open Bürsti“ ist der Tag der offenen Tür der Genossenschaft „Alte Bürsti“. Hier beleben 80 Genossenschafter die zahlreichen Räumlichkeiten, um ihrem Handwerk, ihrer Kunst oder anderen Leidenschaften zu frönen. Einmal im Jahr präsentieren sie ihr Wirken der Öffentlichkeit. Das ist der Saisonstartschuss für das Industriemuseum.

Von der Idee des Industriemuseums erfuhr sie aus der Zeitung. Christian Heilmann suchte nach Gleichgesinnten. „Eine Art Heimweh führte dazu, dass ich mit ihm Kontakt aufnahm“, erzählt die inzwischen in Wohlen wohnhafte zweifache Mutter. Waren sie zu Beginn fünf Freiwillige, so sind es mit Jürg Oberle heute noch drei. Das Museum ist von Mai bis Mitte November an Samstagnachmittagen geöffnet, im Winter einmal im Monat. Die Freiwilligen wechseln sich mit der Präsenz ab. Es gibt Samstage, da kommt gar niemand, ist sie etwas konsterniert. Wenn doch jemand kommt, geniesst sie es umso mehr, wenn sie aus den vergangenen Tagen der Bürstenfabrik erzählen darf. Es werden auch Firmenanlässe und Gruppenführungen angeboten. Die können auch ausserhalb der Öffnungszeiten stattfinden. Eine weitere schöne Aufgabe findet sie die Gestaltung der Sonderausstellungen, die abwechselnd im hinteren Bereich des Dachstocks stattfinden. Vor kurzem zum Thema Schuhe: „Früher schufen Firmen wie Bally und Ammann in der Region viele Arbeitsplätze. Deshalb haben wir das in einer Sonderausstellung thematisiert.“

Neue Inputs für Sonderausstellungen sind immer willkommen. Nicht nur deswegen wünscht sich Ruth Huwiler-Leu freiwillige Verstärkung im Vorstandsteam, sondern auch zur Entlastung aller Vorstandsmitglieder. Wer sich für historische Begebenheiten und Industriegeschichte interessiert und sich gerne in diesem Bereich engagieren möchte, ist beim Industriemuseum Oberentfelden am richtigen Ort.

Buch zur Firma
Ganz frisch auf dem Markt, das Buch zur Firma: Walther - eine Firma kämpft gegen den Schmutz. Kontakt für interessierte Freiwillige: Christian Heilmann, Köllikerstrasse 32, 5036 Oberentfelden, 079 532 73 60, admin@remove-this.oberentfeldenmuseum.ch

Job im Museum